Platzverwaltung für Wohnmobilstellplätze: Strom, Wasser, Buchung und EC-Zahlung ohne Personal vor Ort
EPSIA entwickelte für die Modusan GmbH aus Berlin eine Softwareplattform zur automatisierten Verwaltung von Wohnmobilstellplätzen. Ein lokaler Controller verbindet an jedem Standort Buchung, EC-Zahlung und Belegdruck mit Strom- und Wassersäulen, Duschen, Zugängen und weiteren Feldgeräten.
Gäste können Stellplatz und Versorgungsleistungen selbst buchen, bezahlen und nutzen. Unterschiedlich ausgestattete Standorte verwenden dieselbe Software und werden über ihre jeweilige Konfiguration an die vorhandene Hardware angepasst. Seit Anfang 2026 wird das System an sieben Standorten eingesetzt.
- 7Standorte mit derselben Software und standortspezifischer Konfiguration
- 84Steckdosen mit verbrauchsabhängiger Abrechnung
- 80Stellplätze automatisiert buchbar
- 1Modbus-Strang für die Feldgeräte eines Standorts
Die Fallstudie zeigt den Projektverlauf in sieben Schritten: Auftrag, Systemaufbau, Strom und Wasser, Buchung und Zahlung, Konfiguration, Betrieb und Ergebnis.
1 Auftrag: Versorgung und Abrechnung ohne dauerhaftes Personal vor Ort
Betreiber von Wohnmobilstellplätzen möchten Strom, Wasser und weitere Leistungen anbieten, ohne dafür dauerhaft Personal am Standort einsetzen zu müssen. Klassische Lösungen arbeiten häufig mit Münzautomaten oder erfordern manuelle Abläufe vor Ort.
Modusan entwickelt und fertigt Versorgungssäulen einschließlich der zugehörigen Elektrik. 2024 beauftragte Modusan EPSIA mit der Entwicklung einer gemeinsamen Steuerungssoftware für die Stellplätze.
Ziel war eine Softwareplattform, die an unterschiedlichen Standorten mit der jeweils vorhandenen Hardware eingesetzt werden kann. Die Entwicklung erfolgte zunächst nach Aufwand in mehreren abgegrenzten Paketen.
2 Systemaufbau: Ein lokaler Controller steuert den Standort
Jeder Wohnmobilstellplatz verfügt über einen eigenen lokalen Controller auf Basis eines Raspberry Pi mit Linux und der EPSIA-Plattform iSDK. Der Controller verwaltet die lokale Buchungsdatenbank und führt Buchungs-, Abrechnungs- und Schaltlogik direkt am Standort aus.
Damit bleiben zentrale Funktionen des Platzes lokal verfügbar und müssen für einzelne Schalt- und Buchungsvorgänge nicht permanent über einen entfernten Server ausgeführt werden.

Das System verbindet unterschiedliche Komponenten:
- Controller
- Raspberry Pi mit Linux, iSDK und einer lokalen MariaDB-Datenbank. Für unterschiedliche Gerätetypen arbeiten eigene Softwaremodule, die ihre Geräte zyklisch abfragen und steuern.
- Feldbus
- Modbus RTU über RS-485 verbindet Strom- und Wassersäulen, Tastenfelder, Zugänge, Duschen, Zeitschaltungen und das Buchungsterminal.
- Buchungsterminal
- Ein Modbus-fähiges Touch-Display stellt 13 Bedienseiten dar. Ablauf und Inhalte werden vom Controller gesteuert; neue Display-Firmware kann ebenfalls über den Feldbus übertragen werden.
- Zahlung
- Ein EC-Terminal ist über einen MDB-Adapter angebunden. Erkennt der Controller eine Störung des Adapters, kann dieser über einen schaltbaren Ausgang neu gestartet werden.
- Belegdruck
- Ein Thermodrucker ist über eine serielle Schnittstelle mit dem System verbunden.

3 Strom und Wasser: Gebuchte Leistungen automatisch bereitstellen
Die Software verbindet eine Buchung direkt mit den technischen Leistungen am Stellplatz.
Jede Steckdose einer Stromsäule stellt ihren aktuellen Energiezähler zur Verfügung. Bucht ein Gast eine bestimmte Strommenge, berechnet der Controller aus dem aktuellen Zählerstand und der gekauften Energiemenge einen Abschaltwert und gibt die zugewiesene Steckdose frei. Ist die gebuchte Energiemenge verbraucht, wird die Versorgung automatisch beendet.
Die Zuordnung der Steckdose übernimmt ebenfalls die Software. Der Controller kennt für jeden Stellplatz die erreichbaren Stromsäulen und Steckdosen und weist eine verfügbare Verbindung zu. Säule und Steckdosennummer werden auf dem Beleg ausgegeben.
Für Wasser, Duschen und Zugänge verwendet der Gast einen persönlichen Zugangscode. Der Controller prüft die Berechtigung und gibt die jeweilige Leistung entsprechend der Buchung frei – beispielsweise Wasser bis zur gebuchten Literzahl oder einen Zugang für einen definierten Zeitraum.
Auch zeitgesteuerte Funktionen wie Beleuchtung oder Bewässerung können über hinterlegte Wochenpläne gesteuert werden.

4 Buchung und Zahlung: Vom Terminal bis zum Checkout
Der vollständige Buchungsprozess kann direkt am Standort ohne Eingriff durch Personal durchgeführt werden.

Der Ablauf umfasst:
- Buchen
- Der Gast wählt Stellplatz, Aufenthaltsdauer sowie zusätzliche Leistungen wie Strom und Wasser. Preise, Grenzen und mögliche Buchungsschritte stammen aus der lokalen Datenbank.
- Bezahlen
- Der Controller übermittelt den Gesamtbetrag an das EC-Terminal. Erst nach bestätigter Zahlung wird die Buchung verbindlich aktiviert. Nicht bezahlte temporäre Buchungen werden nach einer definierten Frist automatisch verworfen.
- Beleg erstellen
- Der Thermodrucker erstellt einen Beleg mit den gebuchten Positionen und getrennt ausgewiesenen Steuersätzen. Zusätzlich enthält er die zugewiesene Stromsäule und Steckdose sowie einen vierstelligen Zugangscode. Ein separater Abschnitt kann sichtbar im Fahrzeug hinterlegt werden.
- Buchung erweitern
- Mit dem Zugangscode kann der Gast seine bestehende Buchung erneut aufrufen, Restguthaben prüfen und weitere Nächte, Strom oder Wasser buchen.
- Checkout
- Nach Ablauf der Buchung schließt der Controller die Sitzung, deaktiviert zugehörige Versorgungsleistungen und entfernt nicht mehr benötigte Zugangscodes.
5 Konfiguration: Unterschiedliche Standorte mit derselben Software
Die sieben Standorte unterscheiden sich deutlich in Größe und Ausstattung. Ein Standort kann zwischen drei und zwanzig Stellplätze, eine oder mehrere Stromsäulen, unterschiedliche Steckdosenanzahlen sowie optional Zugänge, Duschen, Wasserversorgung und zeitgesteuerte Funktionen besitzen.
Diese Unterschiede werden nicht durch separate Softwareversionen abgebildet. Jeder Standort besitzt eine eigene Konfiguration, die seine technische Ausstattung beschreibt.
Dazu gehören unter anderem:
- Stellplätze und deren Zuordnung zu Versorgungseinrichtungen
- Stromsäulen, Busadressen und Steckdosen
- Zuordnung erreichbarer Steckdosen zu einzelnen Stellplätzen
- Wasserstellen, Zugänge und Duschen
- zeitgesteuerte Funktionen und Wochenpläne
- angebotene Leistungen mit Preisen und Steuersätzen
- Betreiberdaten für Belege und Abrechnung
Ein Einrichtungswerkzeug erzeugt aus dieser Konfiguration die benötigten Daten für den jeweiligen Standort. Die eigentliche Steuerungssoftware bleibt an allen Standorten identisch.

6 Betrieb: Sieben Standorte zentral betreuen
Die lokalen Controller sind über gesicherte Netzwerkverbindungen erreichbar. Eine Weboberfläche ermöglicht dem Betreiber die zentrale Übersicht über Standorte, Stellplätze, Versorgungssäulen und Steckdosen.
Je nach Berechtigung können darüber unter anderem Buchungen angelegt oder beendet, Preise angepasst sowie Drucker- und Zahlungsfunktionen geprüft werden.
Neue Softwareversionen werden über einen zentralen Deployment-Server an die einzelnen Standorte verteilt. Die eigentliche Steuerung der Feldgeräte und die lokale Buchungslogik verbleiben dabei auf dem jeweiligen Controller.
7 Ergebnis: Sieben unterschiedlich ausgestattete Standorte mit derselben Software
Seit Anfang 2026 wird die von EPSIA entwickelte Platzverwaltung an sieben Standorten in Deutschland eingesetzt.
- Insgesamt verwaltet die Software 80 Stellplätze.
- 23 Stromsäulen mit 84 Steckdosen werden in das System eingebunden.
- 7 Wassersäulen sind an die lokalen Steuerungen angeschlossen.
- Gäste können Stellplatz und Versorgungsleistungen selbst buchen und bezahlen.
- Strom wird verbrauchsabhängig über die tatsächlich bereitgestellte Energiemenge gesteuert.
- Unterschiedliche Standortausstattungen werden über Konfigurationen abgebildet.
- Alle sieben Standorte verwenden dieselbe Softwarebasis.
Wofür steht dieses Projekt?
Das Projekt zeigt ein System mit Hardwarebezug außerhalb des klassischen Maschinenbaus. EPSIA verbindet lokale Feldgeräte, Buchungslogik, Zahlung, Belegdruck, Datenhaltung und zentrale Verwaltung zu einem gemeinsamen Softwaresystem.
Die Software ist dabei nicht für einen einzelnen Standort fest programmiert. Neue und unterschiedlich ausgestattete Standorte können über ihre Hardware- und Leistungskonfiguration in dieselbe Softwareplattform integriert werden.
Damit wird aus einer individuellen Steuerung für einen einzelnen Platz eine wiederverwendbare Plattform für mehrere Standorte.
Wie lange dauerte es bis zum Einsatz?
Modusan beauftragte EPSIA im Juli 2024 mit der Entwicklung der Steuerungssoftware. Die Entwicklung erfolgte in mehreren Paketen.
2025 wurden unter anderem der Buchungs- und Zahlungsablauf weiterentwickelt und die Bedienoberfläche überarbeitet. Seit Anfang 2026 wird die Software an sieben Wohnmobilstellplätzen eingesetzt.
Wie beginnt ein Projekt mit Hardwarebezug bei EPSIA?
Ein Projekt mit Hardwarebezug kann bei EPSIA mit einem Architektur-Check zu einem vereinbarten Festpreis beginnen. EPSIA analysiert dabei Feldgeräte, Kommunikationswege, Datenflüsse, Softwarekomponenten und Anforderungen an den späteren Betrieb.
Das Ergebnis beschreibt die benötigten Komponenten, deren Zusammenspiel und eine sinnvolle Reihenfolge für die Umsetzung. Auf dieser Grundlage können ein Pflichtenheft und ein Festpreisangebot für die anschließende Entwicklung entstehen.
Mehr zur Leistung unter Softwareentwicklung für Systeme mit Hardwarebezug.
Eckdaten
- Kunde
- Modusan GmbH, Berlin
- Leistung
- Systeme mit Hardwarebezug
- Branche
- Versorgungstechnik und digitale Infrastruktur für Wohnmobilstellplätze
- Zeitraum
- seit 2024, sieben Standorte seit Anfang 2026 im Einsatz
- Technik
- C++, Qt, iSDK, JavaScript, Python, MariaDB, Modbus RTU, RS-485, MDB, Raspberry Pi, Linux, WireGuard.
